Was ist eigentlich eine Verfahrensbeiständin, welche Aufgaben hat Sie und wie läuft so etwas eigentlich ab?

Ein Verfahrensbeistand ist eine erwachsene Person, die  deine Bedürfnisse, Wünsche und Interessen vertritt, wenn du noch zu jung bist, um dies alleine tun zu können. 

Sie ist diese Person unabhängig von dem, was deine Eltern / Pflegeeltern oder andere Sorgeberechtigte sagen. 

Er / Sie hat die Aufgabe, dich über den Inhalt und den Verlauf des Verfahrens zu informieren, deinen subjektiven Willen festzustellen und deine Interessen vor dem Gericht zu vertreten.  

Ob ein Verfahrensbeistand für dich "bestellt" wird, entscheidet das zuständige Gericht. 

Es folgen Gespräche mit dir, deinen Eltern oder mit denen, die für dich sorgen. Eventuell auch mit Lehrer*Innen, Erzieher*Innen oder anderen Menschen, die dir nahe stehen. So macht die Verfahrensbeiständin sich ein Bild von deiner Situation.

Sie hört dir zu und stellt fest, wie deine jetzige Lebenssituation ist, was deine Bedürfnisse und Wünsche sind und gibt diese Informationen und eine Empfehlung für das weitere Vorgehen an den Richter weiter. 

Der Verfahrensbeistand ist zwar vor allem dein "Anwalt", hat aber manchmal auch die Vermittleraufgabe übertragen bekommen, am Zustandekommen einer einvernehmlichen Lösung zwischen allen Beteiligten mitzuwirken. In diesem Fällen kann der Verfahrensbeistand- oder Beiständin gemeinsame Gespräche mit den Erwachsenen führen, die für dich sorgen, um manchmal eine erste Annäherung oder den Grundstein für einen Kompromiss zu legen.

Mama und Papa trennen sich

Wenn deine Eltern sich trennen, weil Sie nicht mehr zusammen leben können, dann beginnt ganz häufig ein großer Streit darüber, bei wem du in Zukunft leben sollst und wer sich um dich weiter kümmert. Beide glauben zu wissen, was das Beste für Dich ist und der Streit ist so groß, dass sich deine Eltern sich nicht einigen können. Dann muss das Gericht darüber entscheiden. Jeder glaubt, dass seine Lösung die richtige ist. Aber wer fragt eigentlich, was Du willst? Und was ist eigentlich das Beste für dich? Damit diese Fragen nicht im Streit vergessen werden, gibt es beim Familiengericht jemanden, der sich genau dafür einsetzt: und das ist der Verfahrensbeistand oder die Verfahrensbeiständin. Diese Person ergreift Partei für dich, setzt sich für deinen Willen und deine Bedürfnisse ein und spricht für dich vor Gericht.

Ich bin ein Pflegekind oder lebe in einer Wohngruppe oder einem Heim

Es kann aber auch sein, dass alles ganz anders bei Dir ist, weil Du nämlich gar nicht bei deinen richtigen Eltern lebst, sondern bei Pflegeeltern oder in einer Wohngruppe oder in einem Heim. Jetzt möchten deine leiblichen Eltern, dass Du wieder zu Ihnen zurückkommst, Du oder andere an deiner Erziehung beteiligten Personen finden diesen Wunsch nicht gut. Oder die Interessen deines Ergänzungspflegers / Vormundes, des Jugendamtes oder anderen Beteiligten Personen an deiner Erziehung stehen im Gegensatz zu deinen Interessen. Oder es soll eine neue Regelung zum Umgang getroffen werden. Oder Du wünscht Dir eine Übertragung  von Teilen der elterlichen Sorge auf deine Pflegeeltern ... oder, oder. Wer hört Dir zu und vertritt deine Meinung unter den Erwachsenen? Der Verfahrensbeistand.

Das Sorgerecht oder Teile der elterlichen Sorge für Dich soll/sollen nun auf eine andere Person übertragen werden

Das kann manchmal sehr kompliziert sein, denn die "elterliche Sorge" teilt sich in viele kleine Unterbereiche vor. Stell dir einen ganzen Kuchen vor. Das ist die elterliche Sorge. Jetzt schneidet man den Kuchen in mehrere Stücke. Die einzelnen Stücke können beispielsweise das Aufenthaltsbestimmungsrecht, die Gesundheitssorge, die Vermögenssorge, das Recht auf Entscheidung über deine schulische/berufliche Bildung sein oder das Recht auf Beantragung von Sozialleistungen. 

Wenn Dir etwas unklar ist oder Du Fragen dazu hast, dann ist es wichtig, dass Du Dir alles noch einmal von deiner Verfahrensbeiständin oder deinem Beistand erklären lässt. Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten :-)